Rund ums Reisen
Fotografieren und Filmen auf Reisen - so bringen Sie bessere Bilder mit nach Hause
Norbert Behring
Der zweite Teil dieser Blogreihe taucht tiefer in die Welt der Reisefotografie ein. Nachdem Sie sich mit den Grundlagen vertraut gemacht haben, ist es an der Zeit, ihre Fähigkeiten zu verfeinern, zu lernen wie Sie Bilder nicht nur knipsen, sondern wie man die Fotografie nutzt, um die Emotionen und die Atmosphäre einer Szene einzufangen. Wie heißt es doch so schön: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“.
Verstehen und beherrschen der Technik
Bevor Sie sich auf Ihre fotografische Reise begeben, ist es unerlässlich mit der eigenen Ausrüstung vertraut zu sein. Nicht alle Motive geben Ihnen die Zeit, um lange über die passenden Einstellungen nachzudenken. Kenntnisse über Blende, Belichtungszeit und ISO-Werte sind entscheidend, um in Sekundenschnelle Anpassungen vornehmen zu können.
Wenn Sie vorwiegend mit einem Smartphone fotografieren, überlegen Sie, ob Ihnen die „OnBoard“ Kamerasoftware ausreicht oder ob Sie vielleicht einen Schritt weitergehen und einmal mit Blende, Belichtungszeit und anderen manuellen Einstellungen experimentieren möchten. Dafür gibt es gute, allerdings meist kostenpflichtige Kamera Apps, z.B. (ProCamera), die vielfältige manuelle Einstellungen auch am Smartphone zulassen. Aber auch hier gilt: machen Sie sich mit diesen Apps bereits zuhause vertraut und üben Sie damit. Experimentieren Sie bei unterschiedlichen Tageszeiten und Lichtverhältnissen, um ein Gefühl für Ihre Fotokamera zu bekommen.
Überprüfen sie jedes Mal beim Einschalten der Kamera die Einstellungen! Es gibt nichts Ärgerlicheres als eine Reihe misslungener Aufnahmen nachhause zu bringen, nur weil man beispielsweise am Vortag für Nachtaufnahmen die Standardwerte verstellt hat.
Kameraautomatik
Sind Sie mit anderen Personen unterwegs, haben Sie meist nicht die Zeit verschiedene manuelle Einstellung zu probieren. Verwenden sie deshalb auch bei Systemkameras gerne mal einfach die Automatikprogramme. Die hier hinterlegten Algorithmen sind mittlerweile so ausgefeilt, dass die Kamera mit den meisten Situation hervorragend von allein zurechtkommt. So haben Sie Zeit, sich ganz auf die Bildkomposition zu konzentrieren und überlassen die technische Komponente der Kamera. Besonders empfehlenswert sind Halbautomatikprogramme, sie lassen in Sekundenschnelle manuelle Eingriffe zu, sollte man mit dem Ergebnis der Automatik nicht zufrieden sein oder, wenn man unterschiedliche Bildstile ausprobieren möchte. Verzichten Sie hingegen auf Voreinstellungen wie Farbfilter oder andere Spielereien. Nutzen Sie dazu später die Tools einer Bildbearbeitungssoftware.
Es gibt aber auch einige Situationen, in denen die Automatik ein befriedigendes Ergebnis liefern wird, wie z.B. beim Fotografieren von Blitzen. Hier ist es hilfreich, sich einen kleinen Schummelzettel mit den passenden Einstellungen in die Tasche zu packen. Im Internet gibt es dazu zahlreiche Tipps für die optimalen Werte bei Blende, Belichtungszeit und ISO. Überlegen Sie bereits zuhause auf welche Situationen sie auf der Reise treffen könnten und bereiten Sie sich auch dazu einen “Spicker“ vor.
Die Qualität des Bildes
"Was in einem Bild nicht enthalten ist, kann später auch nicht mehr hinzugefügt werden."
Diese alte Fotoweisheit gilt auch heute noch. Ist der Blick auf das Motiv schlecht gewählt, lässt sich auch später nichts mehr ändern. Gleiches gilt für verwackelte oder überbelichtete Aufnahmen. Kameras verfügen über Verwackelungs- und Überbelichtungsanzeigen, die man nutzen sollte. Bleiben Sie im Zweifelsfall bei den Einstellungen auf der dunkleren Seite. In unterbelichteten Passagen sind deutlich mehr Bildinformationen vorhanden, die sich mittels Software aus dem Bild herauskitzeln lassen. Überbelichtete Passagen dazu sind hingegen praktisch nicht mehr zu retten.
Weniger ist mehr
Nicht alles muss festgehalten werden. Versucht man zu vieles in ein Bild zu packen, wirkt es unruhig und das Auge des Betrachters ist schnell überfordert. Meist kann ein minimalistischer Ansatz, bei dem man sich auf ein einziges, sprechendes Detail konzentriert, eine deutlich stärkere Wirkung erzielen. Sorgen Sie für einen ruhigen Hintergrund, verringern Sie die Tiefenschärfe, um das gewünschte Motiv herauszuheben. Experimentieren Sie mit dem Ausschnitt und entscheiden, welche Elemente wirklich notwendig sind, um die Geschichte zu erzählen, die Sie im Sinn haben.
Die Bedeutung der Perspektive
Experimentieren Sie mit verschiedenen Perspektiven, um Ihre Fotos einzigartig zu machen. Eine Aufnahme vom Boden aus kann ein Gefühl der Größe und Erhabenheit vermitteln. Dies kann besonders bei Architektur- oder Naturaufnahmen beeindruckende Ergebnisse liefern. Während eine Aufnahme aus der Vogelperspektive interessante Muster und Zusammenhänge offenlegt, die vom Boden aus nicht sichtbar sind. Die Veränderung der Position kann auch dazu beitragen, störende Elemente aus dem Bildausschnitt zu entfernen und den Fokus auf das Hauptmotiv zu richten. Gerade in der Reisefotografie sind hier Zoomobjektive, mit denen man den Bildausschnitt verändern kann, ohne den Standort verändern zu müssen, von Vorteil.
Moment und Bewegung
Die Fähigkeit, den richtigen Moment einzufangen, unterscheidet gute von unvergesslichen Fotos. Sei es ein flüchtiger Blick, ein flatternder Vogel oder eine sich plötzlich öffnende Tür – solche Momente können ein Bild lebendig machen. Bewegung kann ebenfalls ein mächtiges Element sein; sie verleiht Bildern ein Gefühl von Dynamik und Leben. Üben Sie, Bewegungen vorauszusehen und Ihre Kameraeinstellungen entsprechend anzupassen, um sowohl scharfe Bilder als auch bewusste Bewegungsunschärfe zu erzielen. Verwenden Sie längere Belichtungszeiten, um Bewegungen einzufangen, wie zum Beispiel fließendes Wasser oder vorbeiziehende Wolken. Abhängig von der Belichtungszeit kann es unerlässlich sein, der Kamera einen festen Stand zu verleihen. Wenn die Mitnahme eines Stativs zu umständlich ist, kann man sich mit einem kleinen Stoffbeutel mit getrockneten Linsen, Kirschkernen oder ähnlichem im Kamerarucksack aushelfen. So wird zum Beispiel aus einer unebenen Mauer mit dem Säcken als Unterlage für die Kamera ein improvisiertes Stativ.
Verwenden Sie eine etwas längere Belichtungszeit und schwenken Sie dabei die Kamera mit dem Motiv, dadurch erreichen sie einen beeindruckenden Nachzieheffekt. Auch hierzu findet man im Internet zahlreiche Tipps zu Verschlusszeiten in Bezug auf das bewegte Motiv.
Die Kunst der Komposition
Eine starke Bildkomposition ist das Rückgrat eines jeden beeindruckenden Fotos. Vertrautheit mit den Grundlagen wie Drittelregel, der Nutzung von Führungslinien und dem Spiel mit Symmetrie kann ihre Bilder auf ein neues Niveau heben. Versuchen Sie Ihr Motiv so zu erfassen, dass es die Geschichte, die Sie erzählen möchten, unterstützt. Ein Baum auf der Seite oder eine angeschnittene Wand können dem Bild einen Rahmen verleihen. Wege, Straßen oder auch ein Steg führen den Betrachter ins Bild. Achten Sie auf kleine Details, die die Atmosphäre eines Ortes einfangen. Besuchen Sie regionale Märkte, die Vielzahl an dort angebotenen Waren ist immer ein Garant für lohnende Fotomotive. Heben Sie den Kopf! Straßenschilder, Balkone oder Firmenschilder über Geschäften spiegeln oft das Leben des Ortes wider.
Farben und Kontraste
Farben beeinflussen die Stimmung und Atmosphäre Ihrer Bilder. Lernen Sie, wie Farben miteinander interagieren und wie Sie die Aufmerksamkeit auf bestimmte Teile des Bildes lenken können. Achten Sie auf die harmonische Abstimmung der Farben und nutzen Sie sie, um Emotion und Stimmung eines Ortes einzufangen. Oder setzen Sie bewusst Kontrastpunkte, beispielsweise ein roter Rucksack in einer vorwiegend grünen Landschaft mit blauem Himmel kann der Eye Catcher sein, der Ihrem Bild Leben einhaucht und es spannend macht.
Spielen Sie mit dem Licht
Nicht umsonst bedeutet das Wort Fotografie übersetzt: „schreiben mit Licht“.
Lernen Sie, Lichtstimmungen zu Ihrem Vorteil zu nutzen. Grundsätzlich sollte man die harte Mittagssonne meiden, die zu starken Schatten und Überbelichtungen führen kann. Allerdings kann man gerade diese bewusst als Stilmittel nutzen, um einen heißen Sommertag so abzulichten. Tipp: Umso niedriger die Sonne steht, umso weicher wird das Licht.
Goldene Stunde:
Die Zeit kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang bietet besonders stimmungsvolle Momente für die Fotografie. Das weiche, warme Licht sorgt für eine angenehme Atmosphäre und sorgt für schöne Schatten.
Blaue Stunde:
Die Zeit kurz vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel noch etwas Licht hat, aber die Sonne bereits untergegangen ist, schafft wiederum eine ganz andere aber ebenso reizvolle Stimmung.
Aber Achtung, auch wenn diese Zeiträume als Stunden bezeichnet werden, bleiben einem tatsächlich nur wenige Minuten, in denen man diese besondere Lichtstimmung einfangen kann. Seien Sie also rechtzeitig vor Ort, checken Sie Ihre Ausrüstung, kontrollieren Sie die Einstellungen an der Kamera und überlegen Sie bereits im Vorfeld, wo der optimale Standort Ihres Fotos sein könnte. Für Sonnenauf- bzw. -untergangsfotos gibt es in den Webstores praktische Apps (z.B. Photopills) mit deren Hilfe man im Voraus berechnen kann, wann und wo die Sonne an einem bestimmten Ort auf- bzw. untergehen wird.
Erzählen Sie eine Geschichte mit Ihren Bildern
Jedes Foto sollte eine Geschichte erzählen. Versuchen Sie über das Offensichtliche hinauszudenken und fangen Sie die Wirkung des Moments ein. Dies könnte die Freude eines Kindes beim Eisessen, die friedliche Stille eines Sonnenuntergangs am Strand oder die lebendige Atmosphäre eines lokalen Marktes sein. Ein Bild wird umso kraftvoller, je leichter es dem Betrachter möglich ist, sich in die Szene hineinzuversetzen. Wenn man Menschen fotografiert, sollte man versuchen, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen, bevor man seine Kamera zum Einsatz bringt. Ein Lächeln oder ein paar freundliche Worte können Türen öffnen und die Personen vor der Linse entspannen sich. Erinnern Sie sich daran, dass Sie nicht nur ein Bild, sondern auch einen Moment zwischen zwei Menschen festhalten. Dieses menschliche Element verleiht Ihren Fotos Tiefe und Authentizität.
Fazit
Bleiben Sie neugierig, probieren Sie neue Techniken aus und lassen Sie sich inspirieren. Ob durch Bücher, Workshops oder Online-Kurse – es gibt viele Möglichkeiten seine Fähigkeiten zu verbessern und den eigenen Stil zu entwickeln. Reisefotografie erfordert Geduld, Übung und Leidenschaft. Es geht darum, wie man die Welt sehen und interpretieren möchte. Durch Ihre Linse entdecken Sie nicht nur neue Kulturen und Orte, sondern auch neue Aspekte Ihrer Persönlichkeit. Gelungene Reisebilder werden nicht nur als wertvolle Erinnerungen dienen, sondern auch als Inspiration, sich wieder auf den Weg zu machen und die Welt immer wieder aufs Neue zu entdecken, unabhängig mit welcher Art von Kamera man fotografiert.
Zur Qual der Wahl der „richtigen“ Ausrüstung komme wir im nächsten Teil dieser Blogreihe.