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Luftfahrt Knowhow

Die kurze Ära des Superjumbos Airbus A380

oder warum die Pandemie das vorschnelle Ende eines Flugzeugtypus bedeutet

Im Jahr 2007 noch als zukunftweisendes Modell der Luftfahrt umjubelt, droht, kaum 15 Jahre später, dem Airbus A380 bei den meisten Airlines das vorzeitige Aus.  

Wie es dazu kam möchten wir in diesem Blog erzählen. 

Die Geburt des größten Passagierflugzeugs der Geschichte

In den 90er Jahren kam es zu einem Boom in der Luftfahrt und es wurden massive Kapazitätsengpässe auf den großen Umsteigeflughäfen erwartet. Darum beschloss Airbus ein Flugzeug zu bauen, das deutlich mehr Personen transportieren sollte.  Der Airbus A380 ist durch seine Größe in neue Dimensionen der Passagierluftfahrt vorgedrungen. Mit seinen 73m Länge, 80m Spannweite und 24m Höhe erreichte er Ausmaße vergleichbar mit einem achtstöckigen Wohnhaus. Das Gewicht gleicht schon im Leerzustand über Hundert ausgewachsenen Elefanten. Auf zwei Stöcken verteilt passen bis zu 853 Passagiere in das Flugzeug. Die Passagiere lieben den Giganten für seinen Komfort, das großzügige Platzangebot und die geringe Geräuschentwicklung in der Kabine.  

Vorbereitung für den Airbus A380

Schon vor dem Erstflug begannen Hauptflughäfen weltweit mit diversen Vorbereitungen auf dieses besondere Flugzeugmodell. Dazu gehörte nicht nur die Anschaffung von Spezialfahrzeugen, wie leistungsstarken Flugzeugschleppern, sondern oftmals auch bauliche Veränderungen an den Terminals. Außerdem wurden zusätzliche Fluggastbrücken installiert, um das Boarding möglichst schnell durchführen zu können. Flughäfen haben auch ihre älteren Start- und Landebahnen von dem früheren 45m Standard auf 60 m Breite ausbauen müssen, damit eine sichere Landung des deutlich breiteren A380 gewährleistet werden kann. Allerdings konstruierte Airbus das Flugzeug auch so, dass das untere Deck des „Riesenvogels“ mit bereits vorhandenen Fluggastreppen bestiegen werden konnte, was die Landung auch auf Regionalflughäfen wie dem Flughafen Linz ermöglichte. 

Spektakuläre Landung in Linz

Natürlich möchten wir auch mit Stolz erwähnen, dass der A380 in Österreich bis dato nur in Wien und Linz landete. Am 06. Juni 2010 besuchte ein A380 der Lufthansa im Rahmen einer Präsentationstour Oberösterreich. Trotz strömenden Regens kamen Tausende Interessierte zum Flughafen, um das Flugzeug live sehen zu können, bevor es nach Frankfurt zurückkehrte. 

Warum also ist nun 2020 endgültig das letzte Exemplar dieses vormals umjubelten und dann bei den Fluggesellschaften relativ schnell in Ungnade gefallenen Flugzeugtyps produziert worden? 

Die Herausforderung der Langstreckenflüge

m Langstreckenflugverkehr gibt es zwei grundlegende strategische Ansätze: „Hub & Spoke“ oder „Point to Point“.  Ersteres Konzept beruht darauf, dass die Airlines mit eher kleinen Zubringerflugzeugen die Passagiere zu zentralen Umsteigeflughäfen (Drehkreuze) bringen, um dort dann die großen Langstreckenflugzeuge (400-600 Sitzplätze) zu füllen. Entsprechend der zweiten Strategie werden die Langstrecken von kleineren, sogenannten, Sekundär-Airports aus - mit entsprechend kleineren (200 - 300 Sitzplätze) Maschinen - direkt geflogen.  

Diese beiden Konzepte könnte man dabei durchaus auch als Wettkampf Boeing gegen Airbus sehen. Boeing bot zwar mit der B747-400 und dem Nachfolgemodell B747-8 große Langstrecken-Flugzeugmuster an, aber die Urversion der 747 wurde bereits in den 60ern entwickelt. Deshalb gab es bei diesem Typ nur noch sehr begrenzte Modernisierungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt aus diesem Grund präferierte Boeing in ihrer Marketing Strategie das Konzept des „Point to Point“-Verkehrs mit der bereits erfolgreich im Markt verankerten B777 und setzten vor allem auch auf die zukünftige B787 Dreamliner. 

Der kleine Bruder – die Entwicklung des A350

Airbus dagegen setzte mit dem A380 eher auf das „Hub & Spoke“-Konzept. Da allerdings die Flugpreise stetig fallen, muss mittlerweile auch auf der Langstrecke mit sehr hohen Auslastungen geflogen werden. Dazu kam, dass kleinere Langstreckenflugzeuge mit zwei Triebwerken wie beispielsweise die B777, dem Airbus A380 bei den Betriebs- und Wartungskosten deutlich überlegen ist. Mit der Ankündigung eines zusätzlich wirtschaftlicheren Musters, der Boeing 787, war das Interesse vieler Fluglinien endgültig geweckt. Diese Entwicklung blieb auch Airbus nicht verborgen und man begann im Bereich der 200-300-Sitzer mit der Entwicklung eines eigenen Langstrecken-Modells, dem A350. 

Sowohl Boeings 787 als auch der A350 brachten tatsächlich die versprochenen deutlich niedrigeren Betriebskosten pro Sitzplatz im Vergleich zum großen und mit 4 Triebwerken ausgestatteten Airbus A380. Da es weltweit nur eine begrenzte Anzahl von Strecken gibt, deren Passagieraufkommen den Riesenvogel entsprechend füllen kann, ist der praktische Einsatzbereich des A380 relativ begrenzt. Zudem fehlen dabei auch die Passagiere, die im „Point to Point“-Verkehr Langstrecke fliegen. 

Warum die Pandemie das vorschnelle Ende einläutet

Die deutlich höhere Wirtschaftlichkeit des A350 und der B787 führten schon bald zum Aus der älteren B747-400 und auch das Ende des Airbus A380 zeichnete sich bereits am Horizont ab. Mit dem Ausbruch der Corona Pandemie kam der weltweite Flugverkehr fast komplett zum Erliegen und viele Airbus A380 wurden rasch stillgelegt. Da eine vollständige Erholung des Flugverkehres erst in ein paar Jahren zu erwarten ist und kleine Teilflotten von einigen wenigen Flugzeugen, für eine Fluglinie fast nicht rentabel zu betreiben sind, haben die meisten Airlines beschlossen ihre A380 erst gar nicht wieder in Betrieb zu nehmen. Auch am Gebrauchtmarkt gibt es keinen Bedarf für das Flugzeug, und somit werden die Maschinen an Airbus retourniert oder gar verschrottet. So ist der Flugzeugtyp A380 nach nicht einmal 20 Jahren leider schon wieder weitgehend Geschichte. Einzig Emirates wird auch in den nächsten Jahren noch eine namhafte Zahl dieses Flugzeugtyps betreiben. 

Was passiert mit den ausgemusterten Airbus A380?

Leider wird dem A380 auch ein zweiter Frühling als Frachtflugzeug verwehrt bleiben. Die dafür notwendigen Umbauten wären zu teuer und würden das Flugzeug zu schwer machen. Darüber hinaus gibt es, auch keine Ladefahrzeuge, welche die großen Luftfrachtpaletten auf das obere Deck des Flugzeuges heben könnten. Dennoch waren die Mühen nicht umsonst: Beim Bau des Airbus A380 wurden viele Erfahrungen in der Verwendung von Verbundwerkstoffen gesammelt. Diese wertvollen Erfahrungen konnten in die Entwicklung des kleineren Erfolgsmodelles A350 einfließen, welches nun an die Stelle des größeren Bruders treten wird. Auch zahlreiche Einzelteile, wie Triebwerke, Fahrwerk, Instrumente und vieles andere, können vorerst sorgfältig gelagert später als Ersatzteile weiterverwendet werden.  
 
Es gibt also nur noch sehr wenige Flugzeuge, die ähnlich sind, wie es der A380 war. Wenn wir also in Zukunft wieder in den Himmel schauen und ein Flugzeug mit 4 Kondensstreifen sehen, dann kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich dabei um eine B747 in einer Frachtversion handelt. Natürlich gibt es noch ein paar weitere Flugzeugtypen mit 4 Triebwerken, aber auch diese sind schon selten geworden oder wurden nie in nennenswerten Stückzahlen gebaut. Wer allerdings genau wissen möchte, welches Flugzeug da gerade über den Himmel düst, kann sich jederzeit auf einem der im Internet verfügbaren „Flighttracker“ informieren, aber das ist dann eine andere Geschichte. 

 

Der Flugzeugtyp A380 ist nach nicht einmal 20 Jahren leider schon wieder weitgehend Geschichte.